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Geschichte der 11sm – Malletlokomotiven im Brohltal


Die Brohltalbahn-Eisenbahn-Gesellschaft , die nach ihrer Gründung zur Westdeutschen Eisenbahn Gesellschaft (WEG) gehörte, erhielt bereits kurz vor der Eröffnung der Bahn im Jahr 1901 als Erstausstattung im Jahr 1900 zunächst nur vier Zahnradlokomotiven, die die zahnstangenlose Talstrecke und die in den ersten Jahren der Bahn mit einer Zahnstange versehene Steilstrecke gleichermaßen befahren konnten.

Bereits im Jahr 1902 wurde die Malletlokomotive 6m (B'Bn4vt, Hohenzollern Fabr.Nr. 1498 / Bj. 1902) des Bahnamtes Horrem der WEG zum versuchsweisen Betrieb auf der Talstrecke zur Brohltalbahn umgesetzt. Über die genaue Dauer des Einsatzes im Brohltal ist wenig bekannt, aber schon im gleichen Jahr wird die Abgabe der Lok an die Härtsfeldbahn dokumentiert, wo sie als Lok 1'' eingesetzt wurde.
Dennoch muß der Einsatz der 6m im Brohltal erfolgreich gewesen sein, denn im Winter 1902/03 wurde die baugleiche Mallet 4m (Hohenzollern 1305 / 1900) des Bahnamtes Horrem von der ebenfalls zur WEG gehörenden Bergheimer Kreisbahn zur Brohltalbahn umgesetzt. Die Maschine verblieb bis ca. 1906 im Brohltal und ging danach zurück ans Bahnamt Horrem der WEG, gelangte mit dem Verkauf der Bergheimer Kreisbahn in den Besitz der KPEV, wurde 1914 von der WEG zurückgekauft und später an die Geilenkirchener Kreisbahnen abgegeben.
Der 4m folgte im November 1903 die wiederum baugleiche Mallet 7m (Hohenzollern 1688 / 1903), die vermutlich fabrikneu direkt zur Brohltalbahn gelangte. 1905 wurde die Mallet 7m an die Härtsfeldbahn abgegeben und kam dort als Lok 2'' zum Einsatz.
Man darf sicherlich davon ausgehen, daß ab dem Zeitpunkt des Eintreffens der Lok 7m im Brohltal der Betrieb auf der Talstrecke hauptsächlich durch die leistungsfähigeren Malletlokomotiven abgewickelt wurde. Die Steilstrecke blieb weiterhin den Zahnradlokomotiven überlassen, da die Malletlokomotiven hierfür ungeeignet und nicht zugelassen waren. Bergwärts fahrende Züge mußten in Oberzissen neu zusammengestellt werden, zumindest war jedoch ein Lokomotivwechsel notwendig, da ab hier die Zahnradlokomotiven eingesetzt wurden.

In den folgenden Jahren wechseln die Betriebsmittel weniger oft. Im Jahr 1905 wird, wiederum von der Bergheimer Kreisbahn, die Lok 10sm (B'Bn4vt, Humboldt 236 / 1904) nach Brohl umgesetzt. Ihr folgt nur ein Jahr später die Lok 11sm (Humboldt 348 / 1906). Diese war allerdings von vorneherein für die Brohltalbahn bestimmt und erreicht das Brohltal daher fabrikneu. Eine dritte baugleiche Maschine kam im Jahr 1920 mit Lok 12sm (Humboldt 1474 / 1919) ins Brohltal. Die Brohltalbahn, inzwischen unter eigener Regie und nicht mehr mit der WEG verbandelt, hatte diese Lok noch zu besseren Zeiten bestellt und nun eigentlich nicht mehr die nötigen finanziellen Mittel, um sie auch abzunehmen.
Handelte es sich bei den Lokomotiven 4m, 6m und 7m um mittelschwere Mallet-Lokomotiven (ab ca. 1907 bei der WEG statt mit m für Mallet mit mm für mittelschwere Mallet bezeichnet, um diese ab von den leichten Mallets mit dem Kürzel lm zu unterscheiden), so kamen jetzt schwere Mallet-Lokomotiven mit dem Kürzel sm (für schwere Mallet) auf der Brohltalbahn zum Einsatz.

1930 wurde die fünffach gekuppelte Lok I in Dienst gestellt. Diese konnte die Steilstrecke ohne Zahnrad im reinen Adhäsionsbetrieb befahren. Zur Unterstützung der Lok I und zur endgültigen Ablösung der Zahnradlokomotiven auf der Steilstrecke erwarb die Brohltalbahn 1934 die sehr schwere und leistungsfähige sechsachsige Malletlok 12s von der Albtalbahn (C'Cn4vt, Hanomag 10570 / 1928), die ebenfalls die Steilstrecke im Adhäsionsbetrieb bedienen konnte. Bei der Brohltalbahn wurde diese Mallet als Lok II geführt.
Bei dieser Lokomotive handelt es sich um einen von zwei Hanomag-Nachbauten einer von Henschel für die Heeresfeldbahn konstruierten Mallet. Insgesamt wurden 20 dieser für die Westfront bestimmten schweren Mallets 1916 bestellt und bis 1917 von Henschel gebaut. Sie erhielten die Bezeichnungen HK 11 bis HK 30. Die meisten dieser Maschinen gelangten nach dem Krieg nach Frankreich, nach Afrika oder zur Hedjasbahn (umgespurt auf 1050 mm). Die Lokomotiven HK 20 und HK 24 waren von 1917 bzw. 1918 an als Ersatz für an die Heeresfeldbahn abgegebenen eigenen Lokomotiven bei den Euskirchener Kreisbahnen, wurden jedoch vermutlich 1920 durch die französische Besatzungsmacht für die Hedjasbahn requiriert. Die Lok HK 21 gelangte auf die Strecke Eichstätt-Kinding der Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen und wurde später von der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft als 99 201 übernommen. Anläßlich der Umspurung der Strecke wurde die Lok 1935 verschrottet.
Neben dem Hanomag-Nachbau von 1928 für die Albtalbahn erhielt bereits 1925 die SEG-Bahn Zell-Todtnau eine dieser Maschinen von Hanomag. Der Unterschied zwischen den Lokomotiven von Henschel für die Heeresfeldbahnen und den Nachbauten von Hanomag besteht wesentlich darin, daß es sich bei den Henschel-Loks um Heißdampf-, bei den Hanomag-Nachbauten jedoch nur um Naßdampflokomotiven handelte.

Neben der Neuanschaffung der Lok II brachte das Jahr 1934 aber auch den Abschied von Lok 10sm, die abgestellt und später verschrottet wurde. Im Brohltal verblieben also die Malletlok II für die Steilstrecke und die Lokomotiven 11sm und 12sm für die Talstrecke. Die beiden kleineren Maschinen durften die Steilstrecke lediglich in Ausnahmefällen und unter bestimmten Bedingungen befahren.

1957 beschaffte die Brohltalbahn von der Nassauischen Kleinbahn die erst 1951 gebaute Lok 15. Die fünffach gekuppelte Maschine war ebenfalls für die Steilstrecke geeignet und erhielt die Bezeichnung Lok III. Vergleichsfahrten führten dazu, daß die schadanfällige und im Verbrauch ungünstigere Malletlok II abgestellt und nachfolgend verschrottet wurde. Es verwundert daher auch nicht, daß die Brohltalbahn 1963 das Angebot der Bahn Zell-Todtnau ablehnte, die 1925 von Hanomag gebaute und zur Lok II baugleichen Lok SEG 104 leihweise zu übernehmen. Glücklicherweise fand die Lok 1967 einen Abnehmer in der schweizer Museumsbahn Blonay-Chamby, wo sie ab 1971 Touristikzüge beförderte. Derzeit ist die Mallet dort nicht betriebsfähig abgestellt. So blieb wenigstens eine Schwesterlok der schwersten Brohltalbahn-Mallet erhalten.

Lok 12sm wurde im Oktober 1964 mit Fristablauf abgestellt und bereits im November verschrottet. Im November 1965 erfolgte mit Inbetriebnahme der Dieselloks D1 und D2 der Traktionswechsel von Dampf zu Diesel. Lok 11sm erhielt eine letzte provisorische Untersuchung und wurde als Reservelok vorgehalten. Nachdem sich die Dieselloks als zuverlässig erwiesen, wurde Lok 11sm offiziell zum 1. Januar 1966 abgestellt, beförderte jedoch noch am 29. Januar den für lange Zeit letzten Dampfzug auf der Brohltalbahn, einen Sonderzug für Eisenbahnfreunde, bestehend aus dem Wagen VB50 und einem G-Wagen, zwischen Brohl und Oberzissen.

1968 erwarb die DGEG die Lok 11sm für ihr Museum in Viernheim, jedoch verblieb die Lok noch bis 1975 in Brohl. In der Lehrlingswerkstatt erhielt die 11sm eine äußerliche Aufarbeitung und ihr heutiges Farbkleid. Nach der Auflösung des Museums gelangte die 11sm 1989 zunächst als Leihgabe der DGEG zurück nach Brohl, bevor die IBS die Lok 1998 endgültig von der DGEG zurückerwerben konnte.

Nicht verschwiegen werden sollen in dieser Auflistung aller Mallet-Einsätze auf der Brohltalbahn die Gasteinsätze der Malletlokomotiven 99 5902 der Harzer Schmalspurbahnen im Jahr 2002 und der 99 5901 im Jahr 2003. Die von den beiden Lokomotiven u.a. auf der Steilstrecke gebotenen Vorstellungen waren ein großartiges Spektakel für Auge und Ohr und überzeugten auch den letzten Zweifler davon, daß die 11sm wieder aufgearbeitet werden muß. Auch das große Besucherinteresse, nicht nur der eingefleischten Eisenbahnfans, an Fahrten mit einer solchen Lokomotive spricht für die Aufarbeitung der 11sm.





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